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Erlebnis statt Ergebnis

Elka Aurora bietet absichtsloses Singen in Dotzheim – ohne Chorbindung

Für Menschen, die gern etwas mit ihrer Stimme machen wollen, aber die keinem Chor beitreten möchten, gibt es alle 14 Tage ein Angebot in Dotzheim:“Circle-Songs“, absichtsloses Singen mit Elka Aurora.

Von Anja Baumgart-Pietsch

Elka Aurora legt vier Zettel auf den Boden. „Groove Zentrum“, steht darauf, „Solo“, „lange Töne“ und „Stille und Zuhören“. Jetzt dürfen sich alle aus der zehnköpfigen Gruppe irgendwo einsortieren. Die „Groover“ machen Rhythmus, lange Töne werden aus der anderen Ecke gesummt, jeweils ein bis zwei Solisten probieren ihre Stimme aus, und immer hört auch jemand „nur“ zu. Das klingt jetzt nicht unbedingt konzertreif, aber das ist auch gar nicht die Intention des Abends unter dem Titel „Singen ohne Noten – Circle-Songs“. Die Musiktherapeutin aus Dotzheim bietet die Abende seit einigen Monaten im 14tägigen Turnus an. Es hat sich bereits ein harter Kern gebildet, der regelmäßig kommt. „Ich liebe die CD von Bobby McFerrin „Circle Songs“. Ich bin nach Berlin gepilgert und habe ein Seminar bei Michael Betzner-Brandt belegt. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich ab dann damit beschäftigt habe“, sagt Elka Aurora, die

als Musiktherapeutin in einer psychiatrischen Klinik arbeitet, einen Chor leitet und auch Musik- und Tinnitustherapie anbietet. Sie singt selbst in einer Weltmusik-Band. Musik, davon ist sie überzeugt, muss nicht immer mit Leistungsansprüchen verbunden sein. „Ich habe gemerkt, dass es so viele Leute gibt, die einen ganz tiefsitzenden Wunsch haben zu singen. Sie haben aber keine Lust auf Notenlernen und auch keine Lust auf Chöre – sie suchen eine andere Form des Singens, bei der sie sich befreien und improvisieren können. Sie spüren ihre Kraft und lassen sich von den Gänsehautmomenten, die beim gemeinsamen Singen entstehen, einnehmen.“ Das bestätigen die Teilnehmenden des Abends – zwei Männer und zehn Frauen von jung bis älter, manche mit Chorerfahrung, manche ohne. Etwa der Künstler Rüdiger, der die Erfahrungen, die er mit Stimme und Körper sammeln kann, schätzt. Oder das junge deutsch-britische Paar John und Nadja. „Ich bin Programmierer. Ich brauche einen Ausgleich zu dem strukturierten Job“, sagt er.Teilnehmerin Uschi fasst es zusammen: “Hier kommt es nicht aufs Ergebnis an, sondern aufs Erlebnis.“ Immer wieder entstehen aus den akustischen Anregungen von Elka Aurora Klangcollagen, die zum Aufeinanderhören bewegen. Sie fordert dazu auf, reihum ein paar Töne zu singen, von

denen sich jeweils der Nächste inspirieren lässt. Oder stimmt einen Kanon mit Klatscheinlagen an. Da kommt nicht immer am Ende des Kreises an, was am Anfang losging. Loslassen und nicht bewerten, einfach machen, so soll es hier sein. Dabei entsteht fast automatisch ein schönes Gruppenzugehörigkeitsgefühl.

Gelacht wird jede Menge, aber mit-, nicht übereinander. Und so traut sich auch jeder zu, solistisch in Aktion zu treten. Ob mit Tönen oder mit „ Tschakka tschakka bumm“-Lauten. „Ich arbeite mit der Gruppe auch am körpereigenen Rhythmus. Das ist für viele nicht so einfach. Dennoch haben sie Spaß daran, weil sie merken, wie gut es ihrem Körper tut, sie in ein Gleichgewicht bringt“, sagt Elka Aurora. „Je öfter man das macht, desto besser kann man sich von inneren Blockaden lösen und sich einlassen auf Klänge, Harmonien und Dissonanzen, die Entspannung, aber auch die Spannung, die Menschen um einen herum. Man wird zurückgeworfen auf die eigene Stimme. Wenn das gelingt, ist es einfach ein Glücksgefühl.“

Quelle: Wiesbadener Kurier – Vorort,
Samstag, 9. März 2019

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